Switzerland — Canada
Das ist die Sache mit dem BC Place heute Abend: Die xG-Tabelle zeigt Kanada 1.34, Schweiz 1.06 – und doch gingen die Schweizer mit einem 2:1-Sieg nach Hause. Die Zahlen sagten das Eine. Die Anzeigetafel sagte etwas anderes. Willkommen im Fußball.
Die erste Halbzeit war die Show der Schweiz – und eine trügerische. Sie hatten 70 % Ballbesitz, bewegten den Ball mit bedachter Geduld und schienen bereit, den Bann zu brechen. Aber drei große Chancen kamen und gingen, zwei davon gehörten fest in die Kategorie „Muss-Tor“. Kanada, mit 30 % Ballbesitz, hielt sich wacker – doch Gregor Kobel hinter ihnen hatte fast nichts zu tun. Ein 0:0, das niemandem schmeichelte.
Dann drehte das Spiel komplett. Rubén Vargas bestrafte Kanada kaum eine Minute nach Wiederanpfiff – 1:0, bevor sich die Gastgeber überhaupt sortiert hatten. Johan Manzambi legte in der 57. Minute das zweite Tor nach, und plötzlich hatten die Schweizer ein Zwei-Tore-Polster, das eher auf klinischer Effizienz als auf anhaltender Dominanz beruhte. Kanadas Ballbesitz in der zweiten Halbzeit schwoll auf 60 % an, sie drängten, erspielten sich sieben Ecken – und konnten es immer noch nicht knacken, bis Promise David, Sekunden nach seiner Einwechslung, in der 76. Minute den Anschlusstreffer erzielte. Ein Debüt-Einsatz, der mehr Belohnung verdient hätte.
Die defensive Schwäche der Schweiz war real: Sobald Kanada einen Übergangs-Rhythmus fand, taten sich Lücken auf. Granit Xhaka – in einem hitzigen Mittelfeld-Duell in der 32. Minute verwarnt – wirkte überfordert, als die kanadische Intensität zunahm. Die Schweizer überlebten dank ihres Polsters und Kobels Brillanz: sechs Paraden, Bewertung 8.46, der unbestrittene Mann des Spiels. Ohne ihn hätte sich dieses Ergebnis mit ziemlicher Sicherheit geändert.
Kanadas Problem? Die Dreifachauswechslung in der 58. Minute war mutig, kostete aber wertvolle Zeit – die neuen Spieler brauchten 15 Minuten, um sich zurechtzufinden, und da war der Schaden bereits angerichtet. Eine große verpasste Chance, als der Spielstand bereits 2:0 war, ist der Moment, der am meisten schmerzt.
Auf FootLegion gehören die Tore, die dein Land bei dieser Weltmeisterschaft erzielt, für immer dir – niemand nimmt sie dir weg.
Nun zu den Kommentaren: War Kobel wirklich der Unterschied zwischen einem Schweizer Sieg und einem kanadischen Unentschieden? Und hat Kanadas Auswechslungs-Timing sie einen Punkt gekostet, den sie statistisch verdient hätten?